Dearest AIESECer,
Ich bin seit circa zwei Wochen zurück in Deutschland. Mein Development Internship hat mich sechs Wochen nach Ungarn geführt. 'Warum eigentlich Ungarn'?, habe ich in dieser Zeit sehr sehr oft gehört. Das weiß ich selbst nicht so wirklich.Es war nämlich nicht ich,die aktiv nach dieser Stelle gesucht habe. Vielleicht war es Laszlo aus dem LC von Veszprem, der mich überzeugt hat.Mir immer gebetsmühlenartig geschrieben hat, Bilder vom Balaton geschickt hat, die Praktikumsstelle so ausführlich umschrieben hat,Ungarn umworben hat, dass ich zugesagt habe. Gelandet bin ich in Balatonfüred, am See Balaton.
So wie Laszlo sind die Ungarn sehr stolz auf sich.
Ich habe immer gedacht, dass Ungarn ein typisches Land unter der Fuchtel der Sowjetuntion war und sich jetzt meistgehend Richtung EU orientiert. Nix dem. Für mich war Ungarn wie eine exotische Insel, die, wenn man allein schon die Sprache betrachtet, sich so krass vom Rest vom Mittel bzw. Osteuropa unterscheidet. Sich sicher nicht anpasst.Meine Erwartungen wurden erstmal kräftig über den Haufen geschmissen.
In Ungarn ist alles ein bisschen mehr messy. Was kaputt geht, bleibt kaputt. So wie Deutschland glänzt nicht alles. Aber das ist gar nicht schlecht, und manchmal ganz im Gegenteil: Gibt das vielen kleinen Dörfern seinen gewissen Charme. Strohdächer, kleine Gässchen,riesen Märkte und Kesselgulasch trifft auf hässliche Sowjetbauten.Ganz viele Leute haben Pferde. Eine Kutsche sieht man nicht selten. Auch für sehr engagierte Fremdsprachler ist Ungarisch eine große Herausforderung. So viel Ö's und 'chz', die den Ungarn nur zum Schmunzeln bringen wenn man die Wörter mit oft über 20 Buchstaben auszusprechen versucht. Allein Köszönöm, was so viel wie Danke heißt, kommt schon schwer über die Lippen. Die Ungarn benutzen auch ein paar bekannte Wörter ganz anders. Zum Beispiel sagen sie "Hallo" und gehen und man wird ratlos zurück gelassen. Und auch auf ihr Essen sind sie stolz: Nudel mit Mohn,Fischsuppe und Palatschinken.Gulasch ist wohl das Typischste. Und alles muss probiert werden.
Aber von all dem hat es mir diese Traditionsverwurzeltheit am meisten angetan. Ich war auf viele Festen, wo die Leute noch wirklich ihre alten bunten Trachten tragen. Weggehen läuft anders wie in Deutschland. Man hockt in einem urigen Restraurant,in dem getrocknete Paprika von der Decke hängen, unsichtbare Grenzen zwischen den Tischen fallen, die Zigeuner funktionieren Löffel als Musikinstrumente um, alle trinken ein Gemisch aus Cola und Wein, tanzen miteinander, ob sie sich nun kennen oder nicht und singen laut ungarische Volkslieder.
Meine Aufgabe in der ganzen Zeit war es an einem Gymnasiums Deutsch zu unterrichten und das mit Landeskunde Deutschland zu verbinden.
Davor hieß die Beschreibung für mich so viel wie unterstützender Unterricht, ein bisschen was erzählen, aufjedenfall einen großen Eindruck zu haben.
Am Anfang wurde ich mit meinen jungen 20 Jahren und ohne jegliche Lehrerausbildung schon als Lehrerin - Kollegin vorgestellt.
Mitten drin hatte ich alleine circa 25 Wochenstunden mit Schülern, die oft älter waren wie ich selber. Und trotzdem wurde mir bei der Gestaltung des Unterrichts komplett freie Hand gelassen. Nur die Themen fürs Abitur, die waren mir bekannt. Ich war erstaunt wie viel Verantwortung mir gelassen wurde. Ganz viel Interaktion, ganz viel Rollenspiele, ganz viel Deutschland und ganz viel Diskussionen um einfach die oft schüchternen Schüler die Hemmung zum Deutsch sprechen zu nehmen. Und es hat funktiniert. Die Schüler sind fleißig und glücklich mal andere Themen als die ewige Reihe von Umweltschutz,Essen, Sport, Feste,etc.. vorgelegt zu bekommen. Das beliebteste Thema schlechthin: das Oktoberfest.
Das Lehrerkollegium hat mich dabei nicht skeptisch beäugt, sondern herzlich aufgenommen, immer wieder in gebrochenen Deutsch gefragt wie es mir geht. Das ist nicht unüblich. In Ungarn sind wirklich alle sehr herzlich und hilfsbereit.Der Gast ist König. Schon wo ich nach Ungarn gefahren bin und mich x mal verfahren habe, hat mir ein gutmütiger Mann geholfen. Obwohl er mich nicht verstanden hat, hat er begriffen, dass ich mit meiner Orientierung komplett falsch bin, hat mich zum richtigen Bahnhof gebracht, meine riesen Taschen - gegen meinen Willen- ächzend die Treppen hochschleppt, was mich wirklich gerührt hat. Der Gute war 85.
Das LC dort war erst am Entstehen und die Leute dementsprechend engagiert alles alles zu ermöglichen. Ich war absolut begeistert von dem Programm, das sie für mich aufgestellt haben, auch wenn ich oft vor Müdigkeit nicht mehr konnte :) So viele Museen, Konzerte, Zoo's, Kunstaustellungen und Monumente habe ich noch nie davor gesehen.
Die sechs Wochen alles in allem waren definitiv ein ganzes Paket an wertvollen Erfahrungen. Ich bin in der kurzen Zeit durchs ganze Land gereist, mit unter Budapest und auch Wien.
Irgendwann werde ich mal wieder hin reisen, vielleicht zu den Weintagen. Darauf sind die Ungarn nämlich auch ziemlich stolz :)
Sonntag, 4. April 2010
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Ungarn ist ein wunderschönes Land und die Menschen meist sehr liebenswürdig und hilfsbereit. Wer einmal dem Zauber der Balaton Landschaft erliegen ist kommt immer wieder zurück. Einfach ein Traum von Landschaft: der langgezogene See, die Vulkanberge (Nordufer) dahinter und die weitläufige unverbaute flache Landschaft des Südufers ziehen einen in den Bann. Und wenn die Sonne und die Wolken den Balaton See in verschiedenste blau und türkis Farben erscheinen läßt geht einem das Herz vor soviel Schönheit auf. Auch die Hauptstadt Budapest (das -Manhattan- der Puszta) ist eine Reise wert. Moderne und k.u.k. Nostalgie in Einem lassen diese Stadt zum unvergesslichen Erlebnis werden. ...es schrieb ein unverbesserlicher Ungarn Fan. Hajra Magyaròk!
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